Cyberkriminalität im Kanton St.Gallen: Betrug dominiert

Cyberkriminalität im Kanton St.Gallen: Betrug dominiert

Die digitale Kriminalität im Kanton St.Gallen ist 2024 deutlich angestiegen. Die Zahl der registrierten Straftaten mit digitalem Modus Operandi nahm gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent zu – von 1475 auf 1994 Fälle. Damit machten Cyberdelikte rund 7,6 Prozent aller registrierten Straftaten im Kanton aus. Das zeigt die aktuelle Kriminalstatistik der Kantonspolizei.

Mit 1531 Fällen entfällt der grösste Teil der digitalen Kriminalität auf Vermögensdelikte. Davon wiederum sind 1353 Fälle dem Betrug zuzuordnen – der mit Abstand häufigste Delikttyp. Besonders betroffen sind Opfer sogenannter Vorschussbetrügereien: Ihnen werden Gewinne, Erbschaften oder Geschäftsangebote vorgegaukelt, die gegen eine Vorauszahlung freigegeben würden.

Technisch versierte Täter

Auch betrügerische Online-Shops, gefälschte Verkaufsinserate und manipulierte Zahlungsaufforderungen auf Plattformen wie Social Media oder Messenger-Diensten sorgen für zahlreiche Anzeigen. Die Täter agieren dabei oft mit hoher psychologischer Raffinesse.

In 986 Fällen nutzten die Täter gezielt die Anonymität des Internets aus, in 728 Fällen täuschten sie ihre Opfer über digitale Kommunikationsmittel wie E-Mails, SMS oder Chatnachrichten. Besonders perfide: 183 Straftaten wurden mittels Fernzugriff auf das System der betroffenen Person ausgeführt. Meist durch sogenannte «Fake-Support»-Anrufe, bei denen sich Kriminelle als IT-Mitarbeitende ausgeben und Zugriff auf den Computer verlangen.

Einmal installiert, ermöglichen Fernzugriffsprogramme den Kriminellen den Zugriff auf Passwörter, Bankdaten oder sogar ganze Konten.

Niedrige Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote bei Cyberdelikten liegt weiterhin unter dem Durchschnitt anderer Deliktsbereiche. Die Täter agieren oft international, anonym und technisch versiert. Viele Spuren verlaufen über Server im Ausland, was die Ermittlungsarbeit erschwert. Die Kantonspolizei St.Gallen setzt deshalb vermehrt auf die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern.

Prävention wird zentral

Angesichts der professionellen und dynamischen Täterstrategien setzt die Polizei stark auf Prävention. Informationskampagnen, Vorträge und Social-Media-Formate sollen das Bewusstsein für digitale Risiken schärfen. Wer verdächtige Mails oder Angebote früh erkennt, kann sich und andere besser schützen.

So schützten Sie sich vor Cyberbetrug

Misstrauen bei Geldforderungen
Vorschussbetrug beginnt oft mit Versprechen wie einer Erbschaft, einem Gewinn oder einem lukrativen Geschäft. Überweisen Sie nie Geld an Unbekannte.

Keine Fernzugriffe erlauben
Installieren Sie keine Software, wenn Sie angebliche «Support-Mitarbeitende» dazu auffordern. Seriöse Firmen kontaktieren Sie nie ungefragt.

Augen auf beim Online-Shopping
Prüfen Sie bei unbekannten Shops Impressum, Bewertungen und Zahlungsmethoden. Vorkasse nur bei vertrauenswürdigen Anbietern.

Vorsicht bei E-Mails und SMS
Öffnen Sie keine Links oder Anhänge von unbekannten Absendern. Banken und Behörden fordern keine persönlichen Daten per E-Mail.

Informiert bleiben
Nutzen Sie Informationsangebote der Polizei (z. B. www.cybercrimepolice.ch), um sich über neue Maschen und Sicherheitsmassnahmen zu informieren.

Text: pd/red

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